Der neue Narren-Präsident

Der neue Narren-Präsident

Foto: Benjamin Baumann

Foto: Benjamin Baumann

Der Schillingsfürster Kabarettist Christoph Maul hat in der Kultsendung „Fastnacht in Franken“ den Vorsitz übernommen
„Ich hätte nicht in hundert Jahren daran gedacht, Sitzungspräsident zu werden“: Christoph Maul. Der Schillingsfürster ist das neue Gesicht der Kultsendung „Fastnacht in Franken“. Foto: Jim Albright
Berichterstattung FLZ-Rothenburg, 19.02.2022 INTERVIEW VON THOMAS WIRTH
 

SCHILLINGSFÜRST – Die „Fastnacht in Franken“ hat einen neuen Sitzungspräsidenten. Der Nachfolger von Bernd Händel stammt aus Schillingsfürst: Seit dieser Woche ist Christoph Maul der neue Vorsitzende der kultigen Faschingssendung. Bis zur gestrigen Ausstrahlung war der Wechsel geheim. Im Interview spricht der Schillingsfürster Kabarettist über sein neues Amt und wie er dazu gekommen ist.
Die Überraschung ist gelungen, Herr Maul. Beim ersten Auftritt in Veitshöchheim vom Büttenredner gleich zum Sitzungspräsidenten befördert zu werden, schafft nicht jeder. Was haben Sie für diesen Karrieresprung getan?
Einfach Ja gesagt, als ich vom Bayerischen Rundfunk gefragt worden bin. Zuvor hätte ich nicht in hundert Jahren daran gedacht, Sitzungspräsident zu werden. Hätte man sich bewerben können, hätte ich es nicht in Erwägung gezogen. Ich wusste nicht einmal, dass Bernd Händel mit dem Gedanken spielt aufzuhören.
Beworben haben Sie sich für einen Auftritt als Büttenredner?
Zunächst einmal für die „Närrische Weinprobe“, auch eine Sendung des BR. Für die gab es am 29. November eine sogenannte Anschausitzung in den Weinkellern unter der Würzburger Residenz. Kurz vorm Nikolaustag kam dann die Zusage, aber nicht für die „Weinprobe“, sondern für „Fastnacht in Franken“: „Du bist in Veitshöchheim dabei.“ Darüber habe ich mich wirklich gefreut. Ich bin in keiner Fastnachtsgesellschaft und habe ja im Gegensatz zu vielen anderen Kollegen, die dort auftreten, kein Programm, das bundesweit läuft.
Ein Auftritt ist noch kein Vorsitz.
Bald darauf wurde ich noch einmal eingeladen. Wir haben uns am 20. Dezember in einem Restaurant bei Erlangen getroffen, Norbert Küber und Rüdiger Baumann vom BR und Marco Anderlik, der Präsident des Fastnacht-Verbandes Franken. Ich wusste nicht, worum es geht und habe überlegt, was man halt so überlegt: Was kommt da auf mich zu? Vielleicht eine Absage, weil die Sendung kürzer ausfällt und ich deswegen heuer doch nicht dabei sein kann? Oder Fragen zum Kostüm oder zum Text?
Beim Essen kam dann das Angebot, den Präsidenten zu spielen?
Die Frage war noch vor dem Essen auf dem Tisch. Meine erste Antwort war mal: ja. Aber natürlich wollte ich eine Nacht darüber schlafen, weil diese Rolle andere Auswirkungen hat als ein einmaliger Auftritt. Wenn man vier Stunden zu sehen ist, wird man künftig quasi das Gesicht der Sendung. Das katapultiert einen so weit nach vorne, dass man mit der Familie darüber reden muss.
Wie war Ihre Nacht dann?
Ich habe nicht so viel geschlafen. Das passiert mir sehr selten. Überleg es dir über Weihnachten, hieß es. Aber letztlich war für mich am nächsten Tag, nachdem meine Frau das Go gegeben hatte, klar, dass ich das angehe. Meine Frau und ich sind uns sehr einig. Das ist alles okay. Wir wollen nur nicht, dass bei uns zu Hause, dass unser Kind gefilmt wird.
Bernd Händel hat die Präsidentenrolle lange geprägt. Eifern Sie ihm nach?
Bernd Händel hat große Fußstapfen. Ich muss in meinen eigenen Schuhen gehen. Ich mache es natürlich anders als er, weil er andere Dinge einbringen konnte. Ich kann keine Stimmen imitieren, keine Gitarre spielen, nicht singen. Aber das war jetzt auch nicht gesucht, sonst wäre ich nicht gefragt worden. Ich mache es auf meine Art. Das kann mal etwas Politisches, etwas Gesellschaftliches oder etwas Klamaukiges sein. Es kommt halt auf die Dynamik im Saal an.
Wie sehen Sie die Rolle?
Wenn ich in Veitshöchheim als Kabarettist auftrete, soll es in dem Moment um mich, die Rolle, den Inhalt gehen. Als Sitzungspräsident, wenn ich nicht wegen eines Umbaus überbrücken muss, bin ich der Gastgeber für die Künstler, die als Nächstes kommen. Man muss ihnen den Teppich ausrollen und selber sich zurücknehmen. Das will gut vorbereitet und abgestimmt sein. Die Künstler müssen sich mit der An- und Abmoderation wohlfühlen. Aber wenn man drei Minuten zu überbrücken hat, steht man wieder selbst im Mittelpunkt. Da kann ich nicht drei Minuten über einen anderen Künstler sprechen. Und wenn mal etwas beim Umbau schiefgeht, muss man spontan reagieren und improvisieren können.
Normalerweise wird die „Fastnacht in Franken“ live gesendet, da kann auch mal ein Witz danebengehen.
Ja, ich bin schon vor Shitstorms und Skandälchen gewarnt worden. „Dann kannst du in Schillingsfürst nicht mehr zum Bäcker“, hat es geheißen. Meine Antwort: In Schillingsfürst kann ich immer zum Bäcker. Die Leute, die mich mögen, die sind stolz darauf, dass ich das mache und würden sagen: Ist halt mal etwas schiefgegangen. Die anderen, die einen nicht mögen: Pffff – die freuen sich dann halt.
Die Proben haben fast eine Woche gedauert. Wie bringen Sie das mit Ihrem Brotberuf zusammen?
Ich habe Urlaub die Tage genommen. Das mache ich ja gern. Das ist halt mein Hobby.
Hobby? Wie oft waren Sie vor Corona als Kabarettist unterwegs?
80 bis 100 Auftritte pro Jahr sind schon zusammengekommen. Schaut nach viel aus, aber ich vergleiche das immer mit jemandem, der im Fußballverein ist. Wenn der zweimal die Woche trainieren muss und am Wochenende spielt, dann bringt er das auch zusammen.
Werden Sie auch in den nächsten Jahren die Narrensitzungen leiten?
So wird es wohl sein. Wir wollen das gemeinsam entwickeln, und ich werde da mit der Zeit hineinwachsen. Wenn man in die Historie schaut, sind Sitzungspräsidenten länger im Amt. Bernd Händel war es 16 Jahre.
Jetzt bei der Premiere: War die Aufregung größer als sonst bei Auftritten?
Durch die lange Zeit des Probens ist man schon sehr gespannt, wenn es denn dann losgeht. Aber die Kollegen haben mich so wunderbar aufgenommen und mir den Einstieg leicht gemacht. Gerade wenn man die erste Nummer an so einem Abend hat, ist es nie ganz einfach. Dafür war ich aber sehr zufrieden und auch das Feedback der Verantwortlichen war hervorragend.
Wie sind Sie denn mental mit der Situation umgegangen, für ein Millionenpublikum zu spielen?
Ich hatte ja schon ein paar Fernsehauftritte. Auch dieses Mal habe ich versucht, dass ich das für mich nicht als Fernsehauftritt sehe, sondern als einen Auftritt vor Livepublikum. Wenn man darüber nachdenkt, dass ein paar Millionen Leute zugucken, wird man ja verrückt.
Ich denke, wenn die Leute im Saal eine gute Zeit haben und den Auftritt genießen, dann ist die Chance ganz gut, dass es den Leuten daheim auch gefällt. Später dann in der ungewohnten Rolle als Sitzungspräsident habe ich mich auch sehr wohlgefühlt. Für die sehr kurze Vorbereitungszeit, normalerweise hat man einen Vorlauf von vier bis sechs Monaten, war es sehr gut. Auch ist natürlich künftig die Situation anders, wenn ich die Sitzung gleich zu Beginn leiten kann. Jetzt freue ich mich einfach auf das, was hier in den kommenden Jahren noch passieren wird

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