Pressebericht „Abschied vom Wintersport“

Loipenspuren auf der Frankenhöhe gehören nach 33 Jahren der Vergangenheit an

SCHILLINGSFÜRST – Der Winter hat die Region derzeit voll im Griff. In normalen Jahren wäre Willi Becker von der Skiabteilung des TSV 1862 Schillingsfürst längst Gewehr bei Fuß gestanden, um rund 40 Kilometer Loipen rund um die Schlossstadt zu spuren. Doch dieses Prozedere gehört mit dem jetzigen Winter der Vergangenheit an. Die Spurgeräte wurden veräußert. Zurück bleibt ein wenig Wehmut und Nostalgie.

Ende des Sportangebots: Die vereinseigenen Spurgeräte wurden bereits veräußert. Fotos: Meyer (Archiv)

„Es ist nicht nur der allgemeine Schneemangel in Zeiten des Klimawandels“, meint Willi Becker, dessen Skiabteilung das Angebot „Langlauf in gespurten Loipen“ nach 33-jähriger ehrenamtlicher Arbeit nun endgültig einstellt. Es ist zum einen auch eine fehlende personelle Nachfolge wie auch die Tatsache, dass die Unterbringung und Wartung sowie die Pflege der Gerätschaften und der rund 40 Kilometer langen Loipen schon in den zurückliegenden Jahren in keinem Verhältnis mehr zu dem Nutzen und dem Aufwand standen.

Es fehlte zunehmend an der finanziellen und auch materiellen Unterstützung. Die Abteilung war trotz der Spenden zufriedener Langläufer immer mehr auf die Nutzung privater Fahrzeuge angewiesen. Auch mancher Ortsansässige hat die Wintersportabteilung immer wieder mit einem finanziellen Obolus bedacht; vor allem dem örtlichen Verein für Tourismus und Heimatpflege gebühre der Dank für eine jährliche finanzielle Unterstützung, so Becker.

Zudem habe der Bauhof der Schloss-Stadt mit dem Freiräumen der Parkplätze am Startbereich der Loipen einen wichtigen Beitrag geleistet. Erschwerend sei in den letzten Jahren hinzugekommen, dass immer größer werdende landwirtschaftliche Maschinen beim Einsatz in der Waldarbeit die Erhaltung guter Loipen nicht einfacher gemacht hätten. Deshalb hoffen die Verantwortlichen, dass den Langläufern aus Nah und Fern die von der Abteilung in der reizvollen Landschaft der Frankenhöhe gespurten Loipen noch lange in guter Erinnerung bleiben werden.
Spuren im Schnee: Die Frankenhöhe ist beliebtes Naherholungsgebiet.

Spuren im Schnee: Die Frankenhöhe ist beliebtes Naherholungsgebiet.

Fast jährlich Meisterschaften

Dabei war die Skiabteilung des TSV Schillingsfürst erst im Jahre 1983 ins Leben gerufen worden. Von 1985 bis 1997 waren nahezu jährlich Stadt- und Bezirksmeisterschaften im Skilanglauf ausgetragen worden – bei guten Schneeverhältnissen zumeist unter reger Beteiligung. Dank der vereinseigenen Spurgeräte konnten immer bestens präparierte Loipen angeboten werden. Zuletzt waren auch Spuren für das so genannte „Skaten“ gezogen worden.

Im Januar 1994 war sogar ein internationaler Schüler- und Jugend-Spezialsprunglauf mit Nordischer Kombination geplant gewesen. Während das Skispringen auf der Taubertal-Sprungschanze bei Rothenburg über die Bühne gehen sollte, war der daran anschließende Langlauf-Wettbewerb in Schillingsfürst geplant. Leider musste die Veranstaltung wegen Schneemangels kurzfristig abgesagt werden.

Auch hatten die Medien in fast allen Wintern durchweg positiv über das kleine „Wintersportzentrum“ auf der Frankenhöhe berichtet. So titelte der Fränkische Anzeiger noch im Februar 2005: „Schillingsfürst grüßt als Dorado des Skilanglaufs“. Das motivierte auch die Mitarbeiter. Mitunter waren die Wintersportbegeisterten aus weiter Entfernung angereist, um das gute Angebot für ihren Enthusiasmus zu nutzen.

Doch dies alles gehört nun der Vergangenheit an und ist nach 33-jähriger Aufrechterhaltung fortan Geschichte. Die vereinseigenen Geräte wurden nicht verschrottet. Diese konnten zeitnah vor dem jetzigen Winter veräußert werden. So ging der Motorschlitten mit Spurgerät und Transportanhänger an einen Verein aus dem Kreis Herford in Nordrhein-Westfalen, wo die Schneewahrscheinlich sicherlich nicht höher liegt als auf der Frankenhöhe.

Eine Skiabteilung aus dem Landkreis Ansbach, welche mit einer sehr sportlichen und jungen Truppe bereits Wintersport anbietet, erwarb die Pistenraupe einschließlich Spurgerät und Blechgarage. Auch ohne Loipen und Schnee wird die Skiabteilung des TSV Schillingsfürst weiterhin aktiv bleiben. Seit 2007 verfügt man in der Schloss-Stadt über ein aktives Nordic-Walking-Zentrum des nationalen Verbandes.

Vier Rundkurse

Dabei erfolgt die Betreuung der vier Rundkurse mit insgesamt rund 30 Kilometern ehrenamtlich durch die Skiabteilung. Von ausgebildeten Trainern werden zahlreiche Kurse angeboten und durchgeführt. Ein regelmäßig stattfindender wöchentlicher Nordic-Walking-Lauftreff rundet das Angebot im Sommerhalbjahr ab.

Vor allem in schneereichen Wintern wird bei einigen Sportbegeisterten trotzdem eine wehmütige Erinnerung an die schönen Loipen rund um Schillingsfürst bleiben. Denn es gibt kaum Schöneres, als bei frostigen Temperaturen bei Sonnenschein in einer mit Reif behafteten Landschaft durch bestens präparierte Loipen zu laufen und dabei noch etwas für seine Gesundheit zu tun. (hm)

Quelle: FRÄNKISCHER ANZEIGER

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