FLZ-Bericht „Auftakt in die fünfte Jahreszeit“

Inszenierte Episode: Freizeitsportler im Bademantel trifft unverhofft auf fremden Hund. Foto: Schäfer

Inszenierte Episode: Freizeitsportler im Bademantel trifft unverhofft auf fremden Hund. (v.l. Matthias Bär, Andrea Schuster, Markus Hofmann, Gerd Schneider, als Hund verkleidet Rainer Kolb) Foto: Schäfer

„Frankemer Stupfl“ läuteten erstmals am 11.11. den Schillingsfürster Fasching ein

SCHILLINGSFÜRST – Die „heiße Phase“ des Faschings beginnt bei den „Frankemer Stupfl“ erst nach Heilig-Drei-König. Bis dahin ist es noch eine Weile. Aber am magischen Datum 11.11., das diesmal auf einen Samstag fiel, startete die närrische Gesellschaft mit Musik, Tanzeinlagen und launigen Reden schon einmal durch.

In der gut gefüllten Albert-Zietz-Halle hatten die Akteure einen umjubelten Auftritt bei ihrer erstmaligen Premierenfeier in die fünfte Jahreszeit. Sie setzen immer wieder eigene Akzente in ihrer Hochburg fern des Karnvevals in „Kölle“ oder Düsseldorf. Eine rheinische Frohnatur, die mit ihrer Schillingsfürster Verwandtschaft im Publikum in der ersten Reihe saß, ließ sich von der guten Stimmung anstecken. Die vitale Rentnerin klatschte und sang zusammen mit den übrigen Zuschauern und war ganz angetan von dem unterhaltsamen Abend. Auch die Bar war ein Ort der Geselligkeit. Für den Hunger servierte Hallenwirtin Stefanie Leiblein Rindersteak, Schnitzel, Currywurst und Wurstsalat zur Auswahl.

Im schwarzen Anzug mit weißen Sternen führte Mathias Neigenfind, der schon das Frankemer Politiker-Derblecken moderierte, durch das Programm. Zum Auftakt machte er keinen Hehl aus seiner Haltung gegen­über der weltlichen Obrigkeit und der rechtsextremen Gesinnung innerhalb der Partei AfD, die er im Stil von Goethes „Zauberlehrling“ in Gedichtform zum Ausdruck brachte.

Zur Musik „Über den Wolken“ starteten dann die beiden Stupfl-Kapitäne der Lüfte, Thomas Meder und Sven Neußer, zu ihrem letzten Air-Berlin-Flug im Airbus-Großraumjet A380. Redselig und bierlaunig berichtete die Cockpit-Crew zwischen einem holprig inzszenierten Start und einer turbulenten Landung über Passagiere als abgesonderte Individuen oder Gruppen. Die hemdsärmeligen Typen entpuppten sich als echte „Kumpel“ und Frauenversteher in Sachen Blondinen.

Ein „Best off“ der letzten 15 Jahre in Liedern und Texten brachten die fünf Schillingsfürster Originale (Andrea Schuster, Stefan Barthelmeß, Markus Hofmann, Rainer Kolb und Matthias Bär) auf die Bühne. Unterstützt von Gerd Schneider, der einen Gastauftritt als ehemaliger Holzgehner hatte. Aus beruflichen Gründen verließ der Unternehmer für Milchtransporte seinerzeit das Faschingsensemble. Als Nachfolger verkörpert seitdem Rainer Kolb die Rolle des Holzgehners neben dem Känzenweib, Schausteller, Stupfler und Bettler.

Aus den unendlichen Folgen spezifischer Geschichten und Episoden aus dem Alltag mit viel Schillingsfürster Humor und Lokalkolorit, die als nachträgliche Deutung bewusst stark ausgechmückt werden, wurden ältere Missgeschicke mit neuer Frische präsentiert. Die Palette reichte von der missgeschicklichen Postzustellung, und Unannehmlichkeiten einer Verwechslung mit Auswirkungen auf das Geschäft eines Klebefolienspezialisten bis zum urplötzlichen Aufeinandertreffen eines Freizeitschwimmers im Bademantel mit dem Hund eines namhaften Arztes. Der aus Kanada importierte Vierbeiner beherrschte nur Kommandos auf Englisch und keine fränkischen Befehle. Damit war das wechselseitige Missverständnis vorprogrammiert. Ebenso wurde das Klagelied eines Zahnarztes angestimmt über Patienten, die peinliche Tönchen von sich geben.

Als Kutscher in Rothenburg waren die beiden Frankemer Stupfl-Urgesteine Markus Löschel und Ralf Albig unterwegs. Über ihre Schlitzorigkeit legte sich Hufgetrappel, lautes Wiehern und fallende Pferdeäpfel, die eingesammelt werden mussten. Die beiden ausgekochten Kutscher betrachteten die Stadtgeschichte aus ihrer Sicht nach dem Vorbild ihrer Mitbewerber und erzählten den weiblichen Passagieren das Blaue vom Himmel. Ihre Interpretation des Einfahrtsverbotsschildes in die Altstadt war ein eigenständiger künstlerischer Vorgang. Die Pferdekutschendarstellung als Grafik in Schwarz treffe lediglich auf die Konkurrenz aus Gebsattel zu, war sich das Duo einig. „Wir sind weiß und unsere Pferde braun.“

Mit Temperament und Rhythmus interpretierten die von Bianca Schneider trainierten „Stupflmoudeli“ ein zusammengeschnittenes Medley von Madonna, die in den 80er Jahren zu den größten Popstars auf der Welt gehörte. Madonna trug gern Hut, und den Mädels stand er ebenfalls gut. Für abwechslungsreiche Unterhaltung sorgte auch Musiker und Sänger Klaus Hofacker mit bekannten Liedern zum Singen, Schunkeln und Tanzen, deren Melodie einem länger durch den Kopf schwirrten und auch noch auf dem Heimweg begleiteten. sis – Schäfer

Quelle: FRÄNKISCHER ANZEIGER

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